A Travellerspoint blog

By this Author: Orionman

Tag 20 - 22: Chapin, South Carolina > Washington, DC

In 30 Tagen von Arizona nach New York

sunny 31 °C
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Wir sind nach den entspannenden Tagen am Lake Murray in aller Ruhe nach Washington DC gefahren. Wir haben dazu die nördlichere Route durch die Berge gewählt, mit einer Übernachtung in Winchester, Virginia. Dort hervorragend italienisch gegessen, mit anschließendem Ständchen vom Chef, ein echter Italiener aus dem Friaul, der Tenor im örtlichen Chor singt. Amerika ist immer wieder für Überraschungen gut.

Washington DC ist groß. Die zumeist im neo-klassizistischen Stil gehaltenen Gebäude der Ministerien und Museen sind durchaus beeindruckend. Aber irgendwie packt es mich nicht. Ja, die Säulen sind wirklich sehr groß. Die Eingangstreppen der Museen sind sehr hoch. Die Hallen sind geradezu gigantisch. Es ist viel Platz zwischen allen Gebäuden. Aber etwas fehlt. Es fehlt Geschichte. Es fehlt vielleicht auch Esprit. Es fehlt, ich bitte um Entschuldigung, es fehlt Kultur. Dieser so schwierig zu definierende Begriff, hier fällt mir auf, dass ich so etwas wie Kultur vermisse. Paris hat Kultur und Berlin, Moskau hat es und sogar New York hat es auf seine ganz eigene Weise, Tokyo hat es auf jeden Fall.

Hier in Washington DC sehe ich nur geplanten Gigantismus. Und alles ist schön ordentlich aufgereiht. Hübsch gemacht. So eine Art klassizistisches Disneyworld für Kultur und Gedenkstätten.

Kommen sie und sehen sie alle Attraktionen der Hauptstadt an einem Nachmittag! Eintritt frei!

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Ruhe finden im Trubel der Kultur und Geschichte ist eine
grosse und bewundernswerte Kunst

Die Stadt wimmelt von Sperren rund um das weiße Haus und das Capitol und um diverse Regierungsgebäude, man hat fast Angst, nur ein Foto zu machen. Irgendwie habe ich die ganze Zeit erwartet, sofort verhaftet zu werden, wenn ich nur an einem dieser Gebäude vorbei ging. Ein ungutes Gefühl in einer Demokratie. Ich erinnere mich an ein Interview mit Ossama Bin Laden, wo er sagte, sein Ziel sei es, die Angst in die Herzen der Amerikaner zu pflanzen. Ist es ihm schon gelungen? Es darf doch nicht sein, dass ein so großes, mächtiges und freies Land wie die USA sich vor ein paar im Mittelalter lebenden Irren fürchtet?! Das wäre fatal für alle westlichen Demokratien.

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Es ist gross, es ist beeindruckend, es ist amerikanisch. Aber es ist irgendwie - kalt?!

Am ersten Tag in Washington sind wir im Lincoln Memorial gewesen. Vor dem Eingang zum Memorial ist eine Gedenkplatte an Martin Luther King eingelassen, mehr als ein kleines Stück graviertes Granit, das alle mit den Füssen treten, ist von diesem großen Mann hier nicht zu sehen. Wann wird Amerika für alle seine Bürger ein Land der Freiheit und des Wohlstandes sein, wann wird jeder eine Stimme haben, die gehört werden kann?

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Martin Luther King, ein grosser Mann ganz klein zu Füssen
des grossen Abraham Lincoln - und immer noch mit Füssen getreten

Mich hat vor allem das Vietnam Veterans Memorial sehr betroffen, ich hätte nicht gedacht, dass diese einfache Granitwand mit den eingravierten Namen so lang ist, auf den meisten Bildern sieht man immer nur zwei oder drei Abschnitte dieser glänzenden, schwarzen Wand der Schmerzen und der Trauer. Wie es wohl für die Schriftsetzer und Graveure war, die die 58'256 Namen der Toten und Vermissten in diese Platten eingemeisselt haben?

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Die sehr lange Wand des Schmerzes und der Trauer,
entworfen von der erst 21jährigen Architekturstudentin Maya Ying Lin

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Der erste von 58'256 Namen auf dem Vietnam Veterans Memorial in Washington DC

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Der letzte von 58'256 Namen auf dem Vietnam Veterans Memorial in Washington DC

Wir sind dann, um der unglaublich drückenden Hitze zu entfliehen, in einige Museen gegangen. Die Qualität der Sammlungen ist hervorragend, die Präsentation makellos. Mir ist ein Bild aus einer Ausstellung des Fotografen Wolfgang Tillmans im Hirshhorn Museum sehr im Gedächtnis geblieben. Wie zutreffend! Ich habe in der Ausstellung übrigens vergeblich den Hinweis gesucht, das Tillmans ein Deutscher ist. Kommt Leute, mehr Selbstbewusstsein!

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Dieses simple Zitat sagt mehr über das Verhältnis zwischen Europa und den USA
als ein ganzes Buch

Zum Abschluss ein Besuch im Ostflügel des National Museum of Art, in der modernen Sammlung. In den Museen der USA sind Werke von Calder geradezu unvermeidlich, ich finde seine Mobiles und Installation wenig beeindruckend. Trotzdem mag ich sie irgendwie, nett und harmlos, seine Pop Art für grosse Hallen.

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Manchmal, nur für einen Moment, passen in einem Museum alle Dinge
wunderbar zusammen, Calders Lady in Red

Die Architektur des Neubaus ist vom Architekten I. M. Pei aus New York, der auch die bekannte Louvre Pyramide entworfen hat. Mir ist es zuviel Raum, die ausgestellten Werke verlieren sich fast, ich selbst fühle mich klein und unbedeutend und irgendwie leer. Und der Kontrast aussen zu den benachbarten neoklassizistischen Monstern könnte nicht grösser sein. Was will uns der Künstler damit sagen?

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Gross, beeindruckend, aber für mich leider nicht sehr authentisch, Deja vue, leider, Mr. Pei.

Posted by Orionman 13:28 Archived in USA Tagged family_travel Comments (0)

Tag 16 - 19: Atlanta, Georgia > Chapin, South Carolina

In 30 Tagen von Arizona nach New York

sunny 27 °C
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Die Zwillingsschwester meiner Mutter lebt seit 1958 in den USA. Sie lebt mit ihrem Mann nunmehr 6 Jahre in South Carolina, dem sog. Bible Belt der USA. Sie sind konservative Republikaner und Sophie wurde zum ersten Mal mit der Position konfrontiert, die sie sehr ablehnt: Die der Regierung Bush.

Ich habe mich, seit ich diesen Blog schreibe, immer um Neutralität gegenüber Menschen, Ideen, Lebensweisen und Orten bemüht. Ich werde es auch hier versuchen, obwohl ich viele Positionen meiner Tante nicht teile.

Die USA als EIN Land anzusehen, so wie wir die Schweiz als ein Land mit gemeinsamen Werten, einer von der Mehrheit der Wähler gewählten Regierung und einem weitgehenden „common sense“ ansehen, ist nicht richtig. Die USA sind zuerst einmal eine zufällige Mischung von Menschen, die in dem Land ihrer Geburt nicht mehr leben wollten oder konnten und Freiheit suchten. Die fanden und finden sie immer noch in den USA. Es ist zuerst einmal die Freiheit, so zu leben, wie sie es sich vorstellen. Daher sind sie zumeist sehr auf sich selbst konzentriert und finden, sie sind der Nabel des Planeten. Kein Wunder, das Land ist riiiiiiesig.

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Jeder weiss, das dies die durchschnittlichsten Hot Dogs der Welt sind. Aber es klingt doch klasse, oder?!

Die unglaubliche Weite des Landes ist die Basis für diese Freiheit. Dazu kommt eine Verfassung, die dem Streben nach persönlichem Glück einen hohen Stellenwert einräumt. Wir wissen alle, dass nicht jeder sein Glück findet, viele scheitern. Das trifft auf fast alle Länder zu. Aber allein die Anwesenheit der vielen jungen Menschen aus dem ehemaligen Ostblock zeigt mir, dass die Grundidee der USA immer noch sehr attraktiv ist.

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Weniger Staat, weniger Regeln, mehr Freiheit, mehr Spass,
mehr Platz, mehr Selbstverantwortung

Kommen wir zurück zu meiner Tante. Sie lebt in den USA, weil sie hier die vollständige Freiheit hat, so zu leben, wie sie es möchte. Kommen wir gleich zum damit verbundenen Problem: Sie findet, dass auch ALLE anderen Menschen so leben sollten, denn das ist es, was sie in der Bibel findet und was sie fest glaubt. Also sieht sie es als ihre Aufgabe an, alle anderen Menschen auf den „rechten Weg“ zu führen. Ich möchte ihr wirklich nicht Unrecht tun, aber genau diese christliche Sichtweise der Welt als einen Ort, der im rechten Glauben missioniert werden muß, hat uns in den letzten 1200 Jahren eine Menge Tote und eine noch größere Menge Ärger beschert. Leider dauert das Sterben im Namen des richtigen Glaubens und der gerechten Sache an.

Sophie hat sich sehr darüber gewundert, wir sehr die konservativen Christen Freiheiten haben, die sie in Europa nicht haben würden. Die meisten dieser Familien schicken ihre Kinder nicht auf eine staatliche Schule, sondern unterrichten sie zu Hause. Es wird „home schooling“ genannt. Interessanterweise können sie nach eigenen Curricula unterrichten, der amerikanischen Regierung ist es schlicht völlig wurscht, was als Ergebnis herauskommt. Da die USA kein Sozialstaat sind, müssen sie sich auch nicht um Probleme kümmern, die aus einer schlechten Schulbildung resultieren. Wobei man fairerweise sagen muß, dass die Familien ein großes Interesse dran haben, die Kinder so zu unterrichten, dass sie später beruflich erfolgreich und unabhängig sind, und das scheint auch zu funktionieren. Was ebenso funktioniert, ist die vollständig religiöse Erziehung. Sie gehen in keine öffentliche Schule, sie sehen christliches TV, sie haben fast nur Kontakt zu Kindern, die ebenfalls christlich erzogen werden, sie hören christliche Rockmusik und spielen christliche Computerspiele. Sie lesen christliche Bücher und hören christliches Radio. Wo bitte, und ich finde diese Frage durchaus berechtigt, unterscheidet sich das hier groß von der Indoktrination in Koranschulen?! Erst in der Universität werden sie, mehr als gefestigt im rechten Glauben, mit anderen Werten und Ideen konfrontiert.

Ich fühle mich nicht wohl bei dem Gedanken, dass diese Gruppen noch mehr Einfluß bekommen. Die USA ist trotz allem und immer noch und gerade jetzt ein freies Land. Das ist gut so.

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Die Amerikaner lieben ihre Fahne. Sie symbolisiert die Freiheit UND das Recht auf Glück.
Selten sieht man eine, die eingerissen ist! Ein schlechtes Zeichen?

Posted by Orionman 11:17 Archived in USA Tagged family_travel Comments (0)

Tag 14 & 15: Sandestin, Florida > Atlanta, Georgia

In 30 Tagen von Arizona nach New York

sunny 32 °C
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Genug Beach. Genug Sonne. Genug Florida living. Wir wollen Stadt. Also einen Tag eher als ursprünglich geplant auf nach Atlanta, wo nebst dem High Museum of Art das National Black Arts Festival auf uns wartet. Wir sind im Renaissance direkt an der Peachstreet im Herzen der Stadt untergebracht, 17. Stock mit Blick auf die Skyline von Atlanta.

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Ein schon fast typische Bild, wenn man in eine grosse Stadt hineinkommt.
12 Spuren sind das Minimum!

Sophie ist völlig von der nächtlichen Stadt fasziniert. Durch das Festival ist die Elite der Black Arts Bewegung in der Stadt, es ist heiß, die Boys sind cool und die Girls beautiful, heissgemachte Strassenkreuzer cruisen langsam die Peachstreet rauf und runter.

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Kein Staubkorn und Felgen so gross wie Flugzeugreifen

Überdimensionale Chromfelgen sind ein Muß, und jedes Staubkorn auf dem frischpolierten, tief glänzenden Lack löst eine Krise beim stolzen Besitzer aus. Aussteigen, sich wie ein junger Kater strecken, langsam die Tür schließen und dann noch dreimal zurückschauen. Moment, da war doch was?! Zurück zum Heck des Wagens, eine prüfender Blick, Gott sei Dank, nur ein Fingerabdruck. Leicht mit einem frischen Taschentuch (Weiß!!) wegwischen, ganz leicht, nur keine Kratzer in den Lack machen, dann ganz nebenbei die bewundernden Blicke der vielen hübschen Girls einsammeln und federnd, leichten Schrittes ins Restaurant schlendern. Einparken kann so schön sein.

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Die Hitze lasst die Skyline Atlanta's besonders hell leuchten

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25 Stockwerke Marmor und eine wunderbar klare Architektur erzeugen
Nachts eine faszinierende Skulptur aus Licht und Schatten

Abends fasziniert uns die Skyline in der flimmernden Hitze Atlantas. Es ist mittlerweile gegen 1 Uhr, der Verkehr auf dem Highway hat eher noch zugenommen. 17 Stockwerke tiefer drehen aufgestylte Strassenkreuzer, Hummer Stretchlimos mit 8 Fenstern und brüllend laute Hotrods ihre Runden vor dem gigantischen, neonglitzernden VARSITY Diner. Dazwischen rasen Motorradgangs mit japanischen Kampfmaschinen der neusten Baureihe durch die Nacht, alle martialisch angezogen, mit schwarz verspiegelten Visieren vor grellbunten Helmen. Die Luft vibriert.

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Der Treffpunkt der Nacht: Varsity Diner Atlanta

Am nächsten Tag geht’s ins High Museum of Atlanta. Wir sind von der Qualität der Sammlung positiv überrascht, die meisten Künstler sind aus den USA, allerdings auch einige Europäer, u.a. ein ganzer Raum mit Werken von Gerhard Richter. Das Museum widmet der Fotografin Annie Leibovitz eine große Werkausstellung mit sicherlich über 200 Werken. Ich mag ihre Studioarbeiten mit der Grossformatkamera oder der 6x6, sie strahlen Ruhe und Professionalität aus. Ihre riesigen Landschaftsbilder sind im Vergleich mit dem großen amerikanischen Meister Anselm Adams einfach grottenschlecht, so etwas sollte sie nicht zeigen! Wir diskutieren ausführlich mit einer anderen Besucherin vor dem Porträt der Mitglieder des Bush-Kabinetts die amerikanische Politik. Die Frau ist schlicht verzweifelt über das, was im Land passiert und weint fast. Ein Ehepaar geht vorbei, er in abfälligen Ton zu ihr: „There they are!“ Eine Regierung, die von ihren Bürgern so abschätzig angesehen wird, hat keinen guten Stand. Wir haben bis jetzt auf fast 2000 Meilen keinen getroffen, der gut und positiv über die derzeitige Regierung gesprochen hat. Nicht Einen!! Vom Villenbesitzer über den Unternehmer, der Rezeptionistin bis hin zum Taxifahrer sind alle verwirrt, verärgert, hilflos und tief frustriert angesichts der Vorgänge in Washington DC. Ob es sich ändern wird, wenn wir weiter reisen? Wo sind die Unterstützer dieser Regierung?

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Sophie im Atlanta High Museum of Art

Abends sind wir ins Fox Theater gegangen. Das Musical „Dreamgirls“ erzählt die Geschichte dreier schwarzer Sängerinnen und ihren Kampf um Freundschaft und Ruhm. Wunderbar! Gigantische Stimmen mit Gänsehautgarantie werden durch ein minimalistisches Bühnenbild perfekt präsentiert. Das Fox Theater, ein riesiger Prachtbau der 30er Jahre, hat fast 4'800 Plätze und ist sehr gut gebucht. 70% der Besucher sind schwarz, alle Altersgruppen von Kids bis 90 sind da. Das Publikum geht begeistert mit, viele kennen den Text, immer wieder Zwischenapplaus, am Ende Standing Ovations! Als wir aus dem Theater kommen, ziehen die polierten Limousinen und riesigen SUVs wieder ihre Runden. Es ist heiß, wir wollen müde und glücklich ins Bett und Atlanta geht tanzen.

Posted by Orionman 13:55 Archived in USA Tagged family_travel Comments (0)

Tag 9-13: New Orleans, Louisiana > Sandestin, Florida

In 30 Tagen von Arizona nach New York

sunny 29 °C
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Sorry, dass wir uns erst jetzt wieder melden, nach dem Frust in New Orleans hatten wir einen akuten Anfall von Beachlife!!!

Den hatten wir uns nach all den anstrengenden Autofahrten durch die halbe USA redlich verdient.

Wir haben für die Beachwoche den Golf von Mexico ausgewählt, berühmt für seine nicht so vollen, kilometerlangen, schneeweissen Sandstrände.

Und wir wurden nicht enttäuscht! Bereits während der Anreise über kleine Nebenstrassen auf den der Küste vorgelagerten schmalen Inseln wurde die Landschaft paradiesisch. Die Menschen entspannt und in keiner Weise hektisch, kilometerlange Sandstrände wechselten mit Pinienwäldern und kleinen Orten ab. Die kleine Fähre zwischen zwei Inseln wird von Pelikanen und Delphinen begleitet .

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Das Blau des Himmels und das Grün des Wasser verschmelzen zu einer einzigen,
die Seele streichelnden Farbsymphonie

Die meisten Häuser im Florida Panhandle, so wird der nördliche Teil der Golfküste genannt, stehen auf Stelzen. Es kommt durch die schweren tropischen Stürme immer wieder zu starken Überschwemmungen, ein Stelzenhaus bleibt dann einfach trocken! Ich liebe diese in den Himmel strebenden Häuser sehr, sie strahlen eine wunderbare Gelassenheit und Ruhe aus.

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Wunderbar, wenn die Abendbrise durch die Dünen streicht und man mit
einem Glas Wein auf der Terrasse sitzt

Und dazu sind sie meist in milden und zarten Pastelltönen gestrichen. Unter den Stelzen bewahren die Bewohner das gesamte Strandspielzeug auf, angefangen von bequemen beach chairs bis hin zu Jetskies mit 250 PS. Power ist auch hier wichtig, aber es gibt sooooo viel Platz, das sich niemand gestört fühlt. Wenn ich an die überlaufenen, lauten und teuren Strände Italiens oder Spaniens denke, ist Floridas Golfküste geradezu ein Paradies.

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Floridas Gulf Coast Häuser sind fast immer in Pastelltönen gestrichen. Die Stelzen sind bei diesen Häusern verkleidet

Der Staat Florida hat zwischen den Orten, die sehr entwickelt und mit einer hervorragenden Infrastruktur ausgestattet sind, immer wieder grosse Küstenabschnitte zu State Parks erklärt. Dort darf zwar der Strand benutzt werden, aber es dürfen keine festen Bauten errichtet werden und der Zugang zum Meer ist nur auf ausgewiesenen Wegen erlaubt. Da die meisten Amerikaner am liebsten mit dem Auto direkt auf den Strand fahren, sind diese State Parks fast menschenleer.

Floridas Golfküste ist der ideale Mix: Du willst Rummel? Haben wir! Du willst nur ein bisschen Betrieb? Findest Du! Du willst deine völlige Ruhe? Bekommst Du! Dazu reicht das Angebot von einfachen Motelunterkünften bis hin zu den absoluten Luxusvillen. Eine Woche kann man bereits für $700 haben, man kann aber auch $18'000 ausgeben.

You choose what you get and you get what you choose.

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Beach chairs sind der ideale Platz, um am Wasser entspannt nichts zu tun

Wir haben in dieser Woche die verschiedensten Dinge gemacht. Vom Strandtag (Sonnenschirme, Liegestühle, eisgekühlte Limonade, Frisbee spielen im flaschengrünen, warmen Wasser des Golfs) über kleine Ausflüge in die Umgebung bis hin zu ausgedehnten Shoppingausflügen in die riesigen Mals.

Sehr zu empfehlen ist ein Besuch in Seaside. Dieser kleine, etwas abseits gelegene Badeort ist Florida pur. Abends in einem der direkt am Strand gelegenen Fischrestaurants essen gehen (Vorsicht teuer!) ist ein Muß. Und dann ab 22h ab in die Beachbar. Die Besucher von Seaside gehören zur gut verdienenden amerikanischen oberen Mittelschicht und sind sehr entspannt. Selbst die Kids sind spät am Abend noch dabei und laufen in den Bars und Restaurants frei herum. Kein bisschen Stress, man glaubt in Süditalien zu sein. Die Röcke sind kurz, die Männer gut gelaunt, es wird viel getrunken und alle haben Spaß.

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Die Sonnenuntergänge am Golf von Mexico sind wundervoll,
sie bringen Ruhe in unser hektisches Leben

Wir selbst waren im Marriott Courtyard des Sandestin Resorts. Brandneu, sehr schön gemacht, große Zimmer, man bekommt viel fürs Geld. Das Resort selbst ist so groß wie eine ganze Stadt, hat nebst diversen Hotels aller Preisklassen einen eigenen Hafen, ein eigenes Zentrum mit Shops und Restaurants, einen eigenen Strand und 5 Golfplätze. Dazu gehören mehrere Villengebiete in allen Preisklassen. Ein eigener Shuttlebus Service und selbst ein Fahrradverleih sind vorhanden.

Einmal wieder zeigt uns die USA die angenehmen Seiten des Lebens. Wenn Du genug Geld hast, kannst Du in diesem Land ganz wunderbar entspannt leben. Du bekommst alles und hast viel Platz. Ich habe an diesen Orten nie Stress verspürt, alle waren relaxed und machten ihr Ding. Apropos: Das richtige Outfit ist auch hier nicht wichtig! Relax, you are on holidays. We all have money, we are here to step out of the daily hustle, we do not care. Nur in Seaside, wo es sehr posh wurde, trugen die Männer Lederschuhe! Ansonsten ist ein Sneaker der richtige Schuh zu allen Gelegenheiten.

Posted by Orionman 09:15 Archived in USA Tagged family_travel Comments (0)

Tag 8: Austin, Texas > New Orleans, Louisiana

In 30 Tagen von Arizona nach New York

semi-overcast 28 °C
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Nach Austin, Texas, sind wir nun auf dem Weg nach New Orleans.

Am 29. August 2005 überflutete Hurricane Katrina rund 80% der Stadt und verursachte einen Schaden von rund $81,2 Milliarden. Über 1'800 Menschen verloren ihr Leben, über 700 werden immer noch vermisst. Er ging damit als der schädlichste Hurricane in die Geschichte der USA ein. Eine Landfläche so groß wie Großbritannien wurde zum Katastrophengebiet erklärt. Mehr dazu hier auf Wikipedia.

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Immer wieder bewundere ich die Kunst der amerikanischen Strassenbauer.
Selbst in den Sümpfen von Louisiana fanden sie die richtige Lösung

Wir kommen nach endloser Fahrt über fantastische Stelzenhighways, die schnurgerade durch die endlosen Sümpfe Louisianas führen, in New Orleans an. Auf den ersten Blick sind keine Schäden mehr zu erkennen, erst bei näherem Hinsehen fällen Schäden an fast allen Fassaden auf.

Wir wohnen direkt im French Quarter, eine Strasse von der berühmten Bourbon Street weg. Nach dem Abendessen gehen Sophie und ich durch diese so berühmte Amüsiermeile. Wir sind doch etwas enttäuscht. Schön, ja, es gibt ein paar Läden, in denen brutal laute Lifemusik läuft. Auf der Strasse bemühen sich Schlepper um das nicht sehr interessierte Publikum. Einige sehr dubiose Stripshows zeigen deutlich ihr Angebot, machen aber einen eher heruntergekommenen Eindruck. Die Jugendlichen sind nicht zu sehr betrunken, Polizisten stehen entspannt zu dritt an jeder Strassenecke und haltend scherzend ein Schwätzchen. Ältere Ehepaare gehen staunend und händchenhaltend an den schreiend bunten Angeboten vorbei, sie lassen sich von den nicht sehr motivierten Schleppern kaum beeindrucken. So richtig begeistert ist keiner. Die Atmosphäre ist eher wie an einem Montagabend auf der Reeperbahn. Im Februar.

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Bourbon Street ist vielleicht einer der wenigen Orte in den USA,
wo man Alkohol auf einer öffentlichen Strasse trinken darf.

Wir ziehen uns bald zurück ins Hotel und beschliessen, früh schlafen zu gehen. Am nächsten Morgen verlassen wir die Stadt und werden über viele Kilometer mit der Hinterlassenschaft von Katrina konfrontiert. Kurz hinter dem Stadtzentrum sind über fast 10 Kilometer fast alle Häuser links und rechts der Strasse mehr oder weniger zerstört und verlassen. Bis auf ein paar Neubauten mit frischen Maklerschildern, meist leerstehend, einigen Tankstellen und einigen größeren Industriegebäuden ist der Anblick traurig. Es ist wirklich alles in Trümmern und gespenstisch leer – und das zwei Jahre nach Katrina. Mich erstaunt, dass ein so wohlhabendes und ökonomisch starkes Land wie die USA (das Haushaltsbudget 2005 betrug 2,8 Billionen Dollar) keinen Weg findet, einen vergleichsweise geringen Schaden von $81 Milliarden schneller zu beheben. Selbst zwei Jahre nach der Überflutung ist zwar die Infrastruktur wieder hergestellt, aber die halbe Stadt liegt noch in Trümmern. Zum Vergleich: Der Irak Krieg hat allein die USA nach bisherigen Schätzungen ca. $79 Milliarden gekostet. Schade.

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Selbst zwei Jahre nach Hurricane Katrina sind grosse Teile der Stadt
noch nicht wieder hergestellt, selbst im Zentrum sind die Fassaden
unten noch immer beschädigt

Wir sind jetzt auf unserem Weg nach Sandestin in Florida. Vor uns liegt nach fast 4 Tagen im Auto eine Woche Urlaub am Beach!

Posted by Orionman 18:19 Archived in USA Tagged family_travel Comments (0)

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