A Travellerspoint blog

Tag 20 - 22: Chapin, South Carolina > Washington, DC

In 30 Tagen von Arizona nach New York

sunny 31 °C
View US Trip Sommer 2007 on Orionman's travel map.

Wir sind nach den entspannenden Tagen am Lake Murray in aller Ruhe nach Washington DC gefahren. Wir haben dazu die nördlichere Route durch die Berge gewählt, mit einer Übernachtung in Winchester, Virginia. Dort hervorragend italienisch gegessen, mit anschließendem Ständchen vom Chef, ein echter Italiener aus dem Friaul, der Tenor im örtlichen Chor singt. Amerika ist immer wieder für Überraschungen gut.

Washington DC ist groß. Die zumeist im neo-klassizistischen Stil gehaltenen Gebäude der Ministerien und Museen sind durchaus beeindruckend. Aber irgendwie packt es mich nicht. Ja, die Säulen sind wirklich sehr groß. Die Eingangstreppen der Museen sind sehr hoch. Die Hallen sind geradezu gigantisch. Es ist viel Platz zwischen allen Gebäuden. Aber etwas fehlt. Es fehlt Geschichte. Es fehlt vielleicht auch Esprit. Es fehlt, ich bitte um Entschuldigung, es fehlt Kultur. Dieser so schwierig zu definierende Begriff, hier fällt mir auf, dass ich so etwas wie Kultur vermisse. Paris hat Kultur und Berlin, Moskau hat es und sogar New York hat es auf seine ganz eigene Weise, Tokyo hat es auf jeden Fall.

Hier in Washington DC sehe ich nur geplanten Gigantismus. Und alles ist schön ordentlich aufgereiht. Hübsch gemacht. So eine Art klassizistisches Disneyworld für Kultur und Gedenkstätten.

Kommen sie und sehen sie alle Attraktionen der Hauptstadt an einem Nachmittag! Eintritt frei!

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Ruhe finden im Trubel der Kultur und Geschichte ist eine
grosse und bewundernswerte Kunst

Die Stadt wimmelt von Sperren rund um das weiße Haus und das Capitol und um diverse Regierungsgebäude, man hat fast Angst, nur ein Foto zu machen. Irgendwie habe ich die ganze Zeit erwartet, sofort verhaftet zu werden, wenn ich nur an einem dieser Gebäude vorbei ging. Ein ungutes Gefühl in einer Demokratie. Ich erinnere mich an ein Interview mit Ossama Bin Laden, wo er sagte, sein Ziel sei es, die Angst in die Herzen der Amerikaner zu pflanzen. Ist es ihm schon gelungen? Es darf doch nicht sein, dass ein so großes, mächtiges und freies Land wie die USA sich vor ein paar im Mittelalter lebenden Irren fürchtet?! Das wäre fatal für alle westlichen Demokratien.

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Es ist gross, es ist beeindruckend, es ist amerikanisch. Aber es ist irgendwie - kalt?!

Am ersten Tag in Washington sind wir im Lincoln Memorial gewesen. Vor dem Eingang zum Memorial ist eine Gedenkplatte an Martin Luther King eingelassen, mehr als ein kleines Stück graviertes Granit, das alle mit den Füssen treten, ist von diesem großen Mann hier nicht zu sehen. Wann wird Amerika für alle seine Bürger ein Land der Freiheit und des Wohlstandes sein, wann wird jeder eine Stimme haben, die gehört werden kann?

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Martin Luther King, ein grosser Mann ganz klein zu Füssen
des grossen Abraham Lincoln - und immer noch mit Füssen getreten

Mich hat vor allem das Vietnam Veterans Memorial sehr betroffen, ich hätte nicht gedacht, dass diese einfache Granitwand mit den eingravierten Namen so lang ist, auf den meisten Bildern sieht man immer nur zwei oder drei Abschnitte dieser glänzenden, schwarzen Wand der Schmerzen und der Trauer. Wie es wohl für die Schriftsetzer und Graveure war, die die 58'256 Namen der Toten und Vermissten in diese Platten eingemeisselt haben?

vietnam-memorial.jpg
Die sehr lange Wand des Schmerzes und der Trauer,
entworfen von der erst 21jährigen Architekturstudentin Maya Ying Lin

First-man-down.jpg
Der erste von 58'256 Namen auf dem Vietnam Veterans Memorial in Washington DC

last-man-down.jpg
Der letzte von 58'256 Namen auf dem Vietnam Veterans Memorial in Washington DC

Wir sind dann, um der unglaublich drückenden Hitze zu entfliehen, in einige Museen gegangen. Die Qualität der Sammlungen ist hervorragend, die Präsentation makellos. Mir ist ein Bild aus einer Ausstellung des Fotografen Wolfgang Tillmans im Hirshhorn Museum sehr im Gedächtnis geblieben. Wie zutreffend! Ich habe in der Ausstellung übrigens vergeblich den Hinweis gesucht, das Tillmans ein Deutscher ist. Kommt Leute, mehr Selbstbewusstsein!

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Dieses simple Zitat sagt mehr über das Verhältnis zwischen Europa und den USA
als ein ganzes Buch

Zum Abschluss ein Besuch im Ostflügel des National Museum of Art, in der modernen Sammlung. In den Museen der USA sind Werke von Calder geradezu unvermeidlich, ich finde seine Mobiles und Installation wenig beeindruckend. Trotzdem mag ich sie irgendwie, nett und harmlos, seine Pop Art für grosse Hallen.

lady-in-red.jpg
Manchmal, nur für einen Moment, passen in einem Museum alle Dinge
wunderbar zusammen, Calders Lady in Red

Die Architektur des Neubaus ist vom Architekten I. M. Pei aus New York, der auch die bekannte Louvre Pyramide entworfen hat. Mir ist es zuviel Raum, die ausgestellten Werke verlieren sich fast, ich selbst fühle mich klein und unbedeutend und irgendwie leer. Und der Kontrast aussen zu den benachbarten neoklassizistischen Monstern könnte nicht grösser sein. Was will uns der Künstler damit sagen?

dc-museums.jpg
Gross, beeindruckend, aber für mich leider nicht sehr authentisch, Deja vue, leider, Mr. Pei.

Posted by Orionman 13:28 Archived in USA Tagged family_travel

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